Aktuelles aus dem Kinderhaus

Liebe Freunde des Kiran Kinderhauses, 

nach dem verheerenden Erdbeben im Jahre 2015 wurde Nepal auch dieses Jahr von einer Naturkatastrophe heimgesucht. Wie in ganz Südostasien gab es Starkregen und Überschwemmungen, wobei in Nepal 150 Tote zu beklagen waren. Auch bei uns im Kinderhaus wurde eine Gartenmauer unterspült und zerstört. Schlimmer für das Land: Durch erhebliche Ernteausfälle verteuerten sich die Lebensmittel. Was gut ist: Es gibt seit ein paar Monaten keine täglichen Stromsperren mehr, was ich seit 1996 noch nie erlebt habe. Auffallend war auch, dass jetzt viele Nebenstraßen geteert sind. Die Verbreiterung der Ring Road in Kathmandu wird allerdings noch etwa drei Jahre dauern und solange die Lebensqualität der Anwohner und Fahrgäste von Bussen und Taxis beeinträchtigen, die unglaublich viel Staub zu ertragen haben, der von der mittleren, noch sandigen, aber schon befahrenen Fahrbahn herrührt.

Es gibt Erfolge im Kinderhaus zu berichten: Das neue dritte Haus wurde fertig und schon bezogen. Es hat nun Platz für ein neues Büro, ein Gästezimmer, ein Krankenzimmer, was vorgeschrieben ist, eine Wohnung für das Managerehepaar Dini und Ramesh, und vor allem hat es einen großen Aufenthaltsraum, der als Leseraum für die Kinder, für Vorträge, Versammlungen und Fortbildungen genutzt werden kann.

Mein Mann hat im Frühjahr zusammen mit Ramesh und ein paar großen Mädchen eine Reise in das Erdbebengebiet in der Nähe von Gurkha gemacht, um vier neue Mädchen aufzunehmen Rosmita, Rojina, Ruth und Sarita. Die Schwestern Rosmita (4 Jahre) und Rojina (7 Jahre) lebten mit ihrem arbeitslosen Vater und einem Bruder in einem Ziegenstall. Die Mutter war nach einer Gelbsucht gestorben.

Die Dorfbewohner setzten sich dafür ein, dass auch Ruth (4) und ihre Cousine Sarita (6) in das Kinderhaus kommen. Sarita lebte ohne ihre Eltern bei ihrer 16-jährigen Schwester, die sich nicht mehr um sie kümmern konnte. Die Mädchen kommen aus der Kaste der Unberührbaren. Dies bedeutet, dass sie in ihrer dörflichen Umgebung keine Bildungschancen haben. Im Kinderhaus fühlten sie sich gleich wohl und integrierten sich erstaunlich leicht, weil die vielen kleinen und großen Mädchen sich liebevoll um die Neuankömmlinge kümmerten. Schon nach einer Woche gingen sie in den benachbarten Kindergarten.

Insgesamt haben wir nun 31 Mädchen im Kinderhaus. Im nächsten Frühjahr planen wir, wieder neue kleine Mädchen aufzunehmen. Insgesamt haben wir eine Kapazität von 40 Mädchen.

Es ist eine große Freude zu sehen, wie fürsorglich die großen Mädchen mit den Kleinen, aber auch mit einander umgehen. Auch in der Küche und den Schlafräumen übernehmen sie Verantwortung. Da sie nicht verwöhnt sind, freuen sich alle immer über gebrauchte Kleider, Schuhe oder Spiele, die wir Besucher mitbringen.

Vier der großen Mädchen sind bereits verheiratet und haben Kinder. Am 19. Oktober ist nach vier kleinen Jungen das erste Mädchen, die Tochter von Prashanna, geboren. Wir haben sie schon vor ihrer Geburt mit einer Baby-Geschenke-Party begrüßt. Die werdende Mutter kam ins Kinderhaus zurück, um die letzten Tage vor der Geburt in unserer behütenden Familie zu verbringen und vor allem, um ihr Kind im Patan-Hospital zu bekommen, wo sie bessere medizinische Hilfe erwarten konnte als in ihrem Dorf, ca. 60 km von Kathmandu entfernt.

Alisha, die jetzt die Bachelor-Prüfung als Krankenschwester gemacht hat, erzählte von ihren Erfahrungen auf der Kinderstation in Janakpur. Dort hatte eine kinderlose junge Frau ein männliches Baby gestohlen, woraufhin die Dorfgemeinschaft das Krankenhaus gestürmt und die Krankenschwestern angeklagt hat, sie hätten das Baby an sich genommen, um es in Kathmandu zu verkaufen. Die Kranken­­schwestern konnten nur mit Mühe dem Mob entkommen.

Nach Alisha’s Bericht täuschen manche Mütter nach der Geburt eines weiblichen Babys eine Ohnmacht vor, um danach die Krankenschwestern anzuklagen, sie hätten ihr Baby vertauscht und ihnen nun ein Mädchen untergeschoben. So wichtig ist es immer noch, einen Sohn zu bekommen.

Zurück in Deutschland lade ich Sie alle zu unserem diesjährigen Benefizfest am 25. Und 26. November jeweils ab 14.30 Uhr in der Grundschule von Altwarmbüchen in der Bernhard–Rehkopfstraße ein. Es erwartet Sie wie immer ein buntes Programm, eine Tombola, ein großes Kuchenbuffet, Kunsthandwerk aus Nepal mit neuen Überraschungen.

Wir waren dieses Jahr auch wieder mit einem Stand auf dem deutschen Evangelischen Kirchentag, diesmal der 36. in Berlin, vertreten und haben unser Projekt Kinderhaus in Nepal präsentiert.

Ohne Ihre umfassende Hilfe könnten wir unsere Arbeit in Kathmandu nicht machen. Deshalb danke ich Ihnen herzlich und verbleibe mit lieben Grüßen

Ihre Inge Busch

Weitere Informationen finden Sie auch unter ⇒ Presseartikel

Letzte Aktualisierung: November 2017